Geschlossene Gesellschaft

Emschertal- Museum

Geschlossene Gesellschaft

von Ines Braun und Iris Stephan

Kunstinstallation Schloss Strünkede

Geschlossene Gesellschaften haben etwas Elitäres. Etwas Ausschließendes, gleichzeitig sind sie Definition für eine zusammengehörige Gruppe von Individuen. Die Mitglieder einer Familie zum Beispiel. Die Familie Strünkede zum Beispiel. Oder die Kinder in einem Heim, die Verwundeten in einem Lazarett, die Mitglieder eines Vereins. All diese (geschlossenen) Gesellschaften sind zugleich Zeitzeugen der wechselhaften Geschichte und Nutzung vom Herner Schloss. Die unterschiedlichsten Menschen haben hier gelebt, Obdach oder Asyl gefunden und Spuren hinterlassen. Von diesen Spuren berichten die Möbel der großen Installation in der Raummitte. Sie sind nicht nur Ankerpunkt für geschichtlichen Diskurs, sie erzählen unübersehbare Geschichten von Reichtum und Armut, Provisorium und Überfluss, gesellschaftlichem Stand und Menschenaltern. Monumental gestapelt, getürmt und verkeilt wird nicht nur ein zeitlicher Ablauf sichtbar, das Fundament und die Kraft der vergangenen Generationen wird spürbar.
Eine nahtlose, unüberschaubare Abfolge von Ereignissen ohne scharfe zeitliche Konturen manifestiert sich. Dabei ist die Installation „Geschlossene Gesellschaft“ wohl die am wenigsten geschlossene von all den vielen Bewohnern des Schlosses, denn die Emotionen und Assoziationen der Betrachter öffnen Türen, Schubladen und Geheimfächer: die Erinnerungen an Menschen und Zeiten, die längst der Vergangenheit gehören.

Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

Ines Braun und Iris Stephan : Geschichten kann man auf vielerlei Art erzählen. Wir Künstler mögen es, die Dinge von allen Seiten zu beleuchten. Wir mögen die schönen, aber auch die weniger schönen Geschichten. Wir mögen das „auf den Kopf gestellte“, weil nur dadurch neue, überraschende und ungewohnte Perspektiven möglich werden. Und nur diese verschiedene Ansichten führen zur Ganzheit einer Geschichte. In der Kunstinstallation „GeSCHLOSSene Gesellschaft“ drücken wir genau das aus. Nebenbei holen wir die „überhöhten“ Museumsobjekte auf ihre menschliche Ebene zurück. Und dazu gehört, dass Altes aussortiert wird und platzsparend gestapelt im Sperrmüll der Geschichte landet. Wir legen aber auch den Blick frei auf alte Handwerkskunst und solide Machart und wir zeigen die Menschen durch die Spuren die sie in jedem einzelnen Ausstellungsstück hinterlassen haben. Die Möbel erzählen unübersehbare Geschichten von Reichtum und Armut, Provisorium und Überfluss, gesellschaftlichen Stand und Menschenaltern. Der Mensch ist Erzeuger, Nutzer und zugleich Henker seiner Gegenstände. 350 Jahre dokumentiert in einem „möblierten“ Zeitstrahl. 350 Jahre, die nur im menschlichen Bewusstsein in einzelne Abschnitte unterteilt werden. In Wahrheit ist die Zeit als großes Ganzes zu betrachten. Genau wie die Kraft der vergangenen Generationen, die in der Installation spürbar wird. Genau wie die „GeSCHLOSSene Gesellschaft“.

Bildergalerie

Aufbau

Archivtour

Um die Einzelstücke für die Installation zusammenzubekommen hat Julia Pedak von ConCultura ganze Arbeit geleistet. Sie hat Treffen und Depotbesuche organisiert und wir konnten die zeitlich passenden Stücke für unsere Ausstellung vormerken. Wir waren aber auch wegen kleinerer Ausstellungsstücke unterwegs. In dieser wunderschönen alten Apotheke im Heimatmuseum Wanne hat Julia nach Lebertran geschaut. Für die Zeit, als Schloss Strünkede als Kinderheim diente …